Kristallene Winterlandschaft mit vierbeinigen Begegnungen

20190204_112722Mangels Arbeit nutze ich die Vormittage, um auszulüften. Nachdem ich weiter keine Aufgabe habe – außer das Mittagessen vorzubereiten – ist der Kopf frei, sich den Spaziergängen vollständig hinzugeben. Immer wieder begegne ich Hunden, die meist in weiblicher, mittelalter Begleitung Gassi gehen.

Auf den üblichen Pfaden sieht man sie schon von weitem. Geschult durch lässigen Umgang mit Hunden schon seit Kindesbeinen an, gehe ich positiv auf sie zu, d.h. furchtlos mit festem Blickkontakt. Viele sind nicht angeleint und springen dann auf mich zu oder schnuppern neugierig. Ich sage dann irgendwas in einem beruhigenden Ton und schon ist auch der Kontakt zur Begleitperson eröffnet. Ein kurzer Plausch ergibt sich regelmäßig, da die Begleitpersonen auch die Zeit dazu haben.

Diese Begegegnungen erfreuen mich fast immer – so kann ich meiner Hundeliebe immer mal wieder kurzzeitig frönen, ohne einen eigenen Hund zu haben und die damit verbundenen Pflichten und Einschränkungen.

 

Mono-Dinner mit Einblicken

be-the-reason-someone-smiles-today-smileZum Dinner allein im Restaurant in der Fremde.

Eigentlich wollte ich 16h fasten und nicht abends essen, aber ich gebe mich widerstandslos der Lust hin.

Auf mein Essen wartend bin ich nach dem ersten Weissbier tiefenentspannt und schau mich um. Vor mir ein Nerd der gleichzeitig isst und sein Smartphone checkt;

neben mir offensichtlich ein Business man, der nach dem essen telefoniert und unruhig die Bedienung ruft um die Rechnung auf das Hotelzimmer zu buchen;

Rechts hängt ein Grosses Kunstwerk mit undefinierbarem braunen Gekleksel – soll wohl Kunst sein; ich frage mich warum so ein Bild aufgehängt wurde, vielleicht weil klar ist, dass eh keiner hinschaut? Es macht eher depressiv und erinnert an ein namenloses, leicht bedrohliches Nirgendwo in der herbstlichen Übergangszeit.

Links von mir eine Tafel mit der Botschaft in englischer Sprache: der Grund zu sein um heute jemanden zum Lächeln zu bringen. Zufrieden kann ich mich zurücklehnen: die Bedienung hat mich angelächelt nachdem ich ihr verziehen habe dass sie meine Essensbestellung vergessen hatte und ich mein zweites Weizen bestellt habe. Sie weiß nicht dass ich keine Lust hatte, allein den Abend auf dem Zimmer zu verbringen.

Durch das Fenster sehe ich draußen wie hochgewachsene Gräser im kalten Spätnovemberwind sich verbiegen, gleichzeitig kommt mir ein starkes Zufriedenheitsgefühll weil ich drin im Warmen sitze und mich die pompöse Adventsdeko (zu viele rote Christbaumkugeln im hohen Glas und elektrisch beleuchtete Sterne und Häuschen) festlich stimmt.

Deutsche Bahn – Glück im Unglück

bahnRückfahrt von Berlin nach München – Verspätung und Umleitung und natürlich wenig bis gar keine Information der Bahn dazu. Angeblich kann man die Bahnstrecke von Berlin nach München in 4 Stunden machen – das halte ich für eine Legende.

Nach 3 Stunden Fahrt mit Ärger: meine Kollegin und ich gehen gegen 18 Uhr hungrig in den Bistrowagen der Bahn und treffen dort auf Otmund aus Stavanger,  Norwegen. Er sitzt schon beim Erdinger und ich bestell mir auch gleich eins gegen den Durst.

Schnell kommen wir im Gespräch auf Fußball und batteln uns  wer mehr weiss aus Weltmeisterschaften – ich muss mich geschlagen geben obwohl ich einiges weiss. Er ist Früh Rentner mit 60 und Solo daher reist er viel zu Fußballspielen nach Deutschland oder jetzt nach Salzburg. Ich frage ihn warum er Deutschland so gern mag, da erzählt er vom Kaiser der ihm beim Viertelfinale 1974 imponiert hat weil er mit Gipsarm gespielt hat. Er musste sich schon mit 14 behaupten: die Eltern haben sich getrennt und er lebte beim Vater der sich bald drauf erhängt hat.

Er liebt Volksmusik und wird heuteabend von Josef seinem Freund aus Oberbayern abgeholt. Wie hat er den kennengelernt: eines Abends vor 12 Jahren saß er daheim vorm TV mit Volksmusik „Marianne und ?“ Vorne saß ein auffälliger Mann mit Schnauzer, den sah er wieder und wieder im TV bis er wegblieb ( wohl krank war) und dann wieder da saß zu seiner Erleichterung. Monate später, er ist in gerade in Südtirol, sieht er ihn plötzlich live, geht sofort hin, begrüßt ihn und seitdem sind sie dicke Freunde und treffen sich in Bayern oder Norwegen.

Nach etlichen Weissbierchen zeigt er Fotos u.a. Von seiner Reliquienvitrine mit Weissbiergläsern und Weisswursttöpfen. Ich erzähle, dass ich aus Landsberg am Lech bin und schon sprudeln ihm die Worte zu diesem Stichwort: Adolf H., Uli Höness und Jonny Cash, der angeblich auch dort eingesessen ist. Von Letzterem hat er auch ein dickes Buch im Handgepäck.

Glücklich, nach kurzweiligen Stunden erreichen wir drei München. So lässt sich der Ärger über die Bahn sehr gut verdrängen!

Flixbus – eine neue Begegnung der grünen Art

flixbusVon meiner Tochter gab es noch Flixbus-Gutscheine vom Vorjahr, die im August abgelaufen sind. Also habe ich die Gelegenheit genutzt, um einen Teil davon für die Reise zu einer nicht bezahlten Schulungsmaßnahme zu nutzen. Die Buchung war via Notebook problemlos

Am Tag der Abfahrt musste ich zu einem P&R-Parkplatz, der öffentlich nicht zu erreichen war. Also bin ich mit dem Auto hingefahren. Mein grüner Bus war durch ein Schild mit der Busnummer gut zu erkennen, er fuhr jedoch ca. 15 Minuten zu früh ab – wahrscheinlich hat sich der Fahrer gedacht, alle Angemeldeten sind drin, ich kann losfahren.

Ich kam mir etwas verloren vor neben all den Leuten aus dem Balkan, vielleicht Gastarbeiter? Nur wenige junge Leute (Studenten?) ergänzten die Fuhre.

Leider gab es auf der Autobahn einen Stau durch Unfall sowie später noch einen Stau durch Baustelle. Ich kam also ca. 1 Stunde zu spät am Ziel an. Den Busfahrern (zwei haben sich regelmäßig abgewechselt) ist das nicht anzulasten, sie sind souverän gefahren. Dummerweise musste ich dann für meinen Termin zu dem ich eh zu spät kam ein Taxi nehmen, statt der geplanten Trambahn. Es sind also Mehrkosten angefallen.

Zur Rückfahrt: ich war früher fertig mit meinem Termin als geplant, also bin ich schon mal zum ZOB am Bahnhof. Im Cafe habe ich versucht per Smartphone auf einen früheren Bus umzubuchen, was nicht geklappt hat. Also bin ich zum Schalter der verschieden Reiseagenturen, u.a. Flixbus. Die etwas gelangweilte Dame verwies mich auf eine Hotline, sie selbst durfte keine Umbuchung vornehmen.

Zwischenzeitlich erwog ich, aus Bequemlichkeitsgründen mit der Bahn zurückzufahren. Der Preis war mir jedoch zu hoch und ich hätte vom Bahnhof am Zielort noch ein gutes Stück zu Fuß zum Parkplatz laufen müssen.

Der Herr von der Hotline, der relativ schnell erreichbar war, sagte, sie dürften im Normfall Umbuchungen nicht telefonisch vornehmen, aber er wollte eine Ausnahme machen, da ich es per Smartphone nicht geschafft hatte. Also vereinbarten wir telefonisch, dass er meinen ursprünglichen Bus storniert und mir einen Gutschein zusendet. Den sollte ich nutzen, um das neue Ticket zu buchen und einen Differenzbetrag von 3 € sollte ich beim Busfahrer bar zahlen.

Leider lief es nicht wie geplant: es war nicht möglich per smartphone den Gutschein einzulösen und in meiner Not – die Abfahrtszeit des früheren Busses näherte sich und ich war müde und wollte unbedingt den früheren Bus nehmen – habe ich das neue Ticket dann zum dreifachen Preis per Kreditkarte gebucht (ähnliche Kosten wie für den Zug, den ich nehmen wollte). Den Gutschein habe ich jetzt noch übrig.

Die Rückfahrt Richtung Split verlief – mit Ausnahme der Lärmbelästigung durch die überwiegend fremdländischen Mitfahrer – gut. Ein kleines Erfolgserlebnis war, dass ich einen Rumänen, der ohne Kopfhörer einen Film schaute, erfolgreich überzeugt habe, den Krach zu unterbinden.

Lechwandern im Herbst

LechwandernVon Montag bis Donnerstag bin ich auf Audit in Schongau. Beim Smalltalk mit der Leiterin des Schulungscenters am Mittwoch geht es um Ultrahiking. Zufällig haben wir ähnliche Interessen. Sie macht mir den Mund so wässrig, dass ich gleich am Freitagfrüh loswandere, wohin bei warmen spätsommerlichen Temperaturen?, einfach am Lech entlang stromaufwärts westseitig über Landsberg ins Nirgendwo – meine Kompasswanderkarte weist einen Wanderweg direkt am Lech aus, aber er ist defakto nicht existent.

Geplant hatte ich ca. 20 km insgesamt, also 5 Stunden und es ist gerade die Hälfte der Zeit, also mache ich Brotzeit – auf einem Feldweg (direkt am Lech ist Schatten) gesäumt von Buchen, deren Kleid schon teilweise gelb-braun gefärbt ist, mit Blick auf die Berge, neben einem vom Gras überwucherten Pflug – eine perfekte Stille, nur ab und zu unterbrochen von herunterfallenden Eicheln, was mich dann doch kurz erschreckt und aus der Idylle in die Wirklichkeit zurückbringt. Zurück in Landsberg, diesmal auf der Ostseite stromabwärts gehe ich an der Licca Loung vorbei, im Erwarten, dort ein bekanntes Gesicht zu sehen und prompt sitzen dort Christa und Anita beim Kaffee ins Gespräch vertieft. Obwohl ich den Drang spüre, Anita zur Begrüßung zu umarmen, halte ich mich zurück (sonst müsste ich Christa auch umarmen) und verabschiede mich schon bald wieder – sie wollten eh gerade aufbrechen. Vorbei an der Forellenzucht von Sandau folge ich einem kleinen Pfad, der irgendwo endet. Dort treffe ich ein Paar mit Hund (sonst ist hier niemand unterwegs) und gehe weiter, obwohl sie mir sagen, es ginge nicht weiter. Typisch: ich muss partout wieder meine Erfahrungen selber machen. Schon nach wenigen Schritten sehe ich keine Möglichkeit, am Ufer weiter zu gehen und entscheide mich aufzusteigen, da ich weiß, dass auf der Hochkante ein Feldweg nach Kaufering verläuft. Es ist relativ steil, lehmig und schlammig – ich wundere mich, wo denn nach tagelangem warmen Wetter das Wasser herkommt. Nur Dank Sträuchern an denen ich mich festhalten kann rutsche ich nicht ab und komme glücklich oben an, mit einigen Schrammen an den Beinen. Nun spüre ich wieder die Schmerzen in beiden Knien und sehne mich dem Heim entgegen, wo ich als erstes trinke (ich hatte nur eine Flasche dabei, die längst leer ist – zum Biertrinken in der Licca-Lounge war ich zu stolz) und die Reumatabletten gegen den Knieschmerz einwerfe.